Wenig faszinierende Strategien 6 | Antifragile Konzepte 1

05Jan
2014

“Information ist antifragil; sie wird nicht so sehr durch den Versuch stärker, sie zu befördern, als dadurch, ihr zu schaden. Viele vernichten ihren Ruf nur, indem sie versuchen ihn zu retten.”
Nassim Nicolas Taleb in “Antifragilität”

Man mag einwenden, dass genau das unter dem Streisand-Effekt schon hinlänglich bekannt ist. Hätte man dafür also den Neologismus der Antifragilität bemühen müssen? Tatsächlich treten verwandte Effekte, d.h. Systeme die auf Störungen nicht robust sondern selbstverstärkend reagieren, in allerlei Kontext auf, wie wir bei Taleb lernen können. Vielleicht hinreichend oft, dass sich dafür der neue Tag der antifragilen Konzepte lohnt, unter dem ich das ein oder andere von Taleb adaptieren werde; oder vielleicht würde er “plagiieren” sagen? Nun, auch die von ihm geschaffenen Ideen scheinen antifragile Informationen zu sein, die sich ganz von selbst verbreiten. Erbsenzählerei bei “fehlerhaften Zitaten” scheint mir ein eher fragilistisches Phänomen zu sein.

Selbstkritische Betrachtungen 7 | Das Drama der Theorie 1

02Jan
2014

Erfolgreiche Vertreter der Wirtschaft werden wahrscheinlich immer mit einem halb lächelnden, halb mitleidigen Auge auf die Theoretiker in den akademischen Gefilden blicken. Auch Dobelli zeigt sich in seinem – sehr lesenwerten – Werk “Die Kunst des klugen Handelns” nicht als Freund der Theoretiker:

“Wer hat den automatischen Webstuhl erfunden, die Dampfmaschine, das Automobil, die Glühbirne? Kein Theoretiker und kein offizielles Forschungslabor. Es waren allesamt Tüftler. Wir überschätzen die Intellektuellen, die Akademiker, die Theoretiker, die Schriftsteller, Autoren und Kolumnisten – und unterschätzen die Praktiker und die Macher. Ideen, Produkte und Fähigkeiten kommen vorwiegend durch Probieren und Abschauen zustande, weniger durch Nachlesen und Nachdenken. Nicht durch das Studium von Schwimmbüchern haben wir schwimmen gelernt. Nicht dank den Ökonomen haben wir eine Wirtschaft. Nicht die Lehrstühle für Politikwissenschaften halten unsere Demokratie aufrecht. Ich habe Sympathien für Terence Kealeys Ansicht: Nicht Universitäten führen zu einer prosperierenden Gesellschaft, sondern prosperierende Gesellschaften unterhalten Universitäten, weil sie es sich leisten können. Insofern gleichen Universitäten den Opernhäusern.”
Rolf Dobelli in “Die Kunst des klugen Handelns

Was bleibt den Theoretikern an Legitimation, fragt man sie nach ihrem Beitrag für die Gesellschaft – von der sie immerhin in aller Regel finanziert werden? Ein übergeordneter Wert der Theorie, ich nenne es gerne die “intellektuelle Ästhetik” die eine elegante, formale Formulierung mit sich bringt. So löst man keine Probleme, so schafft man eher neue Probleme einer gewissen artifiziellen Art, und doch: Auch die Opernhäuser kultivieren ihre Art der Ästhetik, die einem Großteil der Allgmeinheit nicht – oder nur zu einem sehr oberflächlichen Teil – zugänglich ist. Also lasst uns Theoretiker unsere Wissenschaft kultivieren, weil unsere Gesellschaft so weit ist und so sehr prosperiert, dass sie sich genau das leisten kann.

Sehr vereinfacht ausgedrückt: Warum beschäftigten sich die Theoretiker der Moderner mit derart praxisferner und enigmatisch notierter Theorie? Weil es geht.

Das Drama der Menschheit 2 | Wenig faszinierende Strategien 4

01Jun
2013

Auch mehr als 200 Jahre nach Kant scheint Vernunft und Verstand keineswegs selbstverständlich, wenn man diesen aktuellen Zeit Online Artikel über Esoterik liest, in dem es heißt:

“Jeder vierte Deutsche zeigt sich aufgeschlossen gegenüber Wunder- und Geistheilern, gut 40 Prozent der Bevölkerung halten etwas von Astrologie oder New Age, mehr als die Hälfte äußern Sympathie für Anthroposophie und Theosophie – Westdeutsche jeweils mehr als Ostdeutsche.”

Die Strategie, sinnsuchenden Menschen heilende Wässerchen und belebende Steine zu verkaufen, ist offenkundig eine Erfolgstrategie. Mit Gütern Geschäfte zu machen, die kein Mensch braucht und trotzdem sehenden Auges freiwillig kauft, ist legitim. Die Anfälligkeit von Menschen auszunutzen, vom Verstand abzukehren, ist allerdings eine ganz und gar nicht faszinierende Strategie.

“Der Münchner Psychologe und Esoterikkritiker Colin Goldner hält sie alle für Scharlatane. Dabei unterscheidet er zwei Gruppen: ‘Die einen sind überzeugt, im Besitz übernatürlicher Fähigkeiten zu sein. Die anderen wissen genau, dass sie nichts können. Die einen sind Fälle für die Psychiatrie, die anderen für den Staatsanwalt.'”

Faszinierende Metastrategien 3 | Selbstkritische Betrachtungen 5

31Jan
2013

“Um Ihre Fähigkeit zu trainieren, Sinnvolles von Sinnlosem zu unterscheiden, können Übungsaufgaben gelegentlich Teilaufgaben enthalten, die sinnlos sind. Ein Beispiel wäre diese Aufgabe:
‘Beweisen Sie, dass es eine ganze Zahl x mit der Eigenschaft gibt, dass x und x + 3 beide grün sind’. Ganze Zahlen haben (ohne besondere Vereinbarung) keine Farben, und deswegen macht die Aufforderung keinen Sinn. Solche Aufgaben sind nicht zu beantworten, sondern als Blödsinn zu entlarven.”

Prof. Torben Hagerup in “Vorlesungsskript: Einführung in die theoretische Informatik”