{"id":998,"date":"2020-12-02T20:33:38","date_gmt":"2020-12-02T18:33:38","guid":{"rendered":"https:\/\/www.p-roocks.de\/wordpress2\/?p=998"},"modified":"2020-12-02T20:34:36","modified_gmt":"2020-12-02T18:34:36","slug":"wenig-faszinierende-strategien-24-die-macht-unseres-handelns-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.p-roocks.de\/wordpress2\/wenig-faszinierende-strategien-24-die-macht-unseres-handelns-1\/","title":{"rendered":"Wenig faszinierende Strategien 24 | Die Macht unseres Handelns 1"},"content":{"rendered":"<p>Gesch\u00e4ftsstrategien im Bereich des Plattformkapitalismus geh\u00f6ren f\u00fcr mich zu den am wenigsten faszinierenden Strategien \u00fcberhaupt. Sei es Uber, Lieferando, Amazon Marketplace oder wie all die Gesch\u00e4ftsmodelle hei\u00dfen, die im Wesentlichen nach folgendem Schema aufgebaut sind: Wir haben eine App. F\u00fcr dich, lieber Konsument, wird es nun sehr komfortabel. Kundenzentrierung hei\u00dft schlie\u00dflich unsere Religion! Wir bekommen nat\u00fcrlich eine (anfangs kleine) Provision. Dass diese stetig mit unserer Marktmacht wachsen wird, sagen wir dir noch nicht. Der Dienstleister oder Produzent (bspws. Uber- oder Lieferando-Fahrer, Pizzab\u00e4cker, etc.) soll sich nicht so anstellen. Konkurrenz belebt das Gesch\u00e4ft! So haben wir das doch alle in der Mikro\u00f6konomie mal gelernt.<\/p>\n<p>Die hohen Anfangsinvestionen und die Zuversicht der Investoren l\u00e4sst sich nur damit erkl\u00e4ren, dass von Anfang an die Hoffnung besteht, dass die Plattform zu einem marktbeherrschenden Quasi-Monopol mutiert, die den Produzenten die Bedingungen erkl\u00e4rt. Diese Produzenten werden zun\u00e4chst nat\u00fcrlich liebevoll umworben: Wir sorgen f\u00fcr dich, deine Auftragslage wird besser, die Provisionen sind niedrig! Dies ist vors\u00e4tzlich unehrlich. Jeder Spielkasino-Betreiber, jeder Hersteller von autonomen Kampfdrohnen, jeder Bordellbetreiber hat ein ehrlicheres Gesch\u00e4ftsmodell als die Plattformkapitalisten. Kaum mehr n\u00f6tig zu erw\u00e4hnen, dass das Besch\u00e4ftigungsverh\u00e4ltnis der Dienstleister in diesem Gesch\u00e4ft (die Lieferando-Fahrer) als Solo-Selbstst\u00e4ndige eine einzige Umgehung des Sozialstaates ist.<\/p>\n<p>Die ZEIT hat in ihrer aktuellen Ausgabe die Situation exemplarisch f\u00fcr das Beispiel Lieferando beleuchtet:<\/p>\n<blockquote><p>&#8220;Daf\u00fcr zahlen die beiden eine Provision von normalerweise 28 Prozent, sie haben einen \u00e4lteren Vertrag. Restaurants, die heute neu auf die Plattform kommen, m\u00fcssen 30 Prozent abgeben.<br \/>\n[&#8230;]<br \/>\nSeine wachsende Marktmacht hat das Unternehmen genutzt, um die Provision Jahr f\u00fcr Jahr weiter zu erh\u00f6hen. Wer, anders als die Hamburger Pizzeria, das Essen selbst zu den Kunden bringt, statt es von der Lieferando-Flotte ausfahren zu lassen, zahlte vor f\u00fcnf Jahren pro Vermittlung neun Prozent. Heute sind es durchschnittlich 13 Prozent.<br \/>\n[&#8230;]<br \/>\nImmer wieder passiere es, dass Pizzen zusammengefaltet &#8220;wie eine Calzone&#8221; bei seinen Kunden ank\u00e4men, weil ein Lieferando-Fahrer die Kartons hochkant in seinen Rucksack stecke, sagt er. Schon &#8220;tausend Mal&#8221; habe er den Kundendienst darauf hingewiesen, ohne Erfolg. Lieferando erstattet ihm in solchen F\u00e4llen nur die H\u00e4lfte des Verkaufspreises.&#8221;<br \/>\n<em>aus: <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/2020\/49\/lieferando-online-bestellplattform-gastronomie-abhaengigkeit\/komplettansicht\">ZEIT 49\/2020, &#8220;Lieferando &#8211; Das schmeckt ihnen nicht&#8221; (nur f\u00fcr Z+ verf\u00fcgbar)<\/a><\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Soweit also die desolate Lage von Restaurants, die von einem Anbieter abh\u00e4ngig geworden sind, weil die service-verw\u00f6hnte Kundschaft lieber mit einem Klick in einer App bestellt, als direkt bei einem Restaurant anzurufen oder auch einfach mal selbst vorbeizulaufen und die Pizza abzuholen. Ein bisschen Bewegung schadet sicherlich nicht in diesen Covid-19-Zeiten, in denen so viele von uns jeden Tag im Home Office sitzen.<\/p>\n<p>Dieser Beitrag wurde nicht mit &#8220;Das Drama der Menschheit&#8221; \u00fcberschrieben, sondern ich habe mir das Label &#8220;Die Macht unseres Handelns&#8221; neu ausgedacht, weil es zum einen in der Macht der Konsumenten liegt, daran etwas zu \u00e4ndern und sich parallel dazu auch auf der Seite der Produzenten Widerstand formiert:<\/p>\n<blockquote><p>&#8220;Dass sich auch kleine, familiengef\u00fchrte Restaurants von Lieferando lossagen k\u00f6nnen, will der Unternehmer Fadi Abu-Gharbieh aus M\u00fcnster beweisen. [&#8230;]<br \/>\nVor allem aber verlangt sie von den Restaurants statt einer prozentualen Umsatzbeteiligung nur einen Betrag von maximal 250 Euro pro Monat.<br \/>\n[&#8230;]<br \/>\n&#8216;Die Unzufriedenheit vieler Gastronomen mit Lieferando ist gro\u00df&#8217;, sagt er. &#8216;Die flehen uns regelrecht an, dass wir ihnen helfen.'&#8221;<br \/>\n<em>(gleiche Quelle)<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Insofern ist es in unserer Hand, durch einen bewussteren Konsum und eine bewusstere Auswahl unserer beauftragten Dienstleistungen etwas zu \u00e4ndern.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gesch\u00e4ftsstrategien im Bereich des Plattformkapitalismus geh\u00f6ren f\u00fcr mich zu den am wenigsten faszinierenden Strategien \u00fcberhaupt. Sei es Uber, Lieferando, Amazon Marketplace oder wie all die Gesch\u00e4ftsmodelle hei\u00dfen, die im Wesentlichen nach folgendem Schema aufgebaut sind: Wir haben eine App. F\u00fcr dich, lieber Konsument, wird es nun sehr komfortabel. 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