{"id":977,"date":"2020-01-02T23:37:06","date_gmt":"2020-01-02T21:37:06","guid":{"rendered":"https:\/\/www.p-roocks.de\/wordpress2\/?p=977"},"modified":"2020-01-02T23:37:06","modified_gmt":"2020-01-02T21:37:06","slug":"selbstkritische-betrachtungen-12-faszinierende-strategien-22","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.p-roocks.de\/wordpress2\/selbstkritische-betrachtungen-12-faszinierende-strategien-22\/","title":{"rendered":"Selbstkritische Betrachtungen 12 | Faszinierende Strategien 22"},"content":{"rendered":"<p>Wir leben im Jahr 2020.<\/p>\n<p>Das ist so ein Satz, der nicht nur einen sehr simplen Fakt enth\u00e4lt und vielleicht zu einem Art &#8220;Jahresr\u00fcckblick&#8221;-Post passt, sondern den man noch oft in diesem Jahr h\u00f6ren wird. Als ein Argument, als eine Art Totschlagargument, wenn es um Fragen geht wie: Warum musste die Silvesterb\u00f6llerei sein, die so viel Feinstaub erzeugt? Warum ist Fleisch so billig und die Produktion davon so umweltsch\u00e4dlich und warum ist die Nutztierhaltung so wenig artgerecht? Warum sind immer noch so wenig Frauen in deutschen Vorstandsetagen? Warum kann man einen SUV zulassen, ohne daf\u00fcr im Zulassungsantrag eine extra Unterschrift f\u00fcr die Aussage <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/newsticker\/meldung\/Kommentar-Der-Mercedes-EQC-ist-eine-rollende-Provokation-4156359.html\">\u201eIch gebe hiermit klar und deutlich zu Protokoll: Meine Umwelt ist mir vollkommen schnuppe.\u201c<\/a> leisten zu m\u00fcssen?<\/p>\n<p>All diese Fragen finde ich vollkommen berechtigt und viele unserer Verhaltens- und Lebensweisen finde ich nicht mehr zeitgem\u00e4\u00df. Im Lichte der neuen Erkenntnisse (<a href=\"https:\/\/www.de-ipcc.de\/256.php\">z. B. dem IPC-Sonderbericht bez\u00fcglich der Erw\u00e4rmung von 1.5\u00b0 gegen\u00fcber dem vorindustriellen Zeitalter<\/a>) kann man eigentlich nur zu dem Schluss kommen, dass es Zeit ist, etwas zu \u00e4ndern. Aber was? Die globalisierte Weltwirtschaft? Die individuelle Mobilit\u00e4t? Die unendliche Verf\u00fcgbarkeit von Konsumartikeln? Wo fangen wir an? Dieter Nuhr scherzt <a href=\"https:\/\/www.daserste.de\/unterhaltung\/comedy-satire\/satire-gipfel\/sendung\/nuhr-2019-der-jahresrueckblick-100.html\">in seinem Jahresr\u00fcckblick<\/a> dar\u00fcber, dass er das &#8220;Fridays for Future&#8221;-Engagement seiner Tochter unterst\u00fctzt, in dem er ihr \u00fcber den Winter die Heizung abdreht. Und er fragt sich, ob die Aussage von Greta Thunberg &#8220;<a href=\"https:\/\/www.swr3.de\/aktuell\/nachrichten\/Thunberg-Ihr-habt-meine-Traeume-meine-Kindheit-gestohlen\/-\/id=47428\/did=5227942\/b7q5mu\/index.html\">Ihr habt mir meine Kindheit gestohlen<\/a>&#8221; nicht besser zu einem 11 j\u00e4hrigen passen w\u00fcrde, der in einer Coltan-Miene unter menschenunw\u00fcrdigen Bedingungen schuften muss. Damit bringt er zwei wesentliche Dinge auf den Punkt: Wir fangen ungern mit dem Verzicht bei uns selbst an. Und: Die Ankl\u00e4ger sind in der Regel nicht die, die unter den Konsequenzen der angeklagten Zust\u00e4nde leiden m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Ich finde es richtig, dass wir als diejenigen, die es sich leisten k\u00f6nnen, anklagen. Wir klagen die Zust\u00e4nde an, wie wir unseren Planeten derzeit ausbeuten anklagen. Ich war bei einigen der &#8220;Globaler Klimastreik&#8221; Demos dabei. Ich bin f\u00fcr eine Politik, die durch Steuern und Umlagen teureres Fleisch, teureres Benzin und vor allem teurere Fl\u00fcge generiert. Eine Politik, die das Auto in der Stadt unattraktiver macht. Und dennoch, wir sind hier bei Stichwort &#8220;selbstkritische Betrachtungen&#8221;: Ich fahre regelm\u00e4\u00dfig aus purer Bequemlichkeit Auto. Strecken, die eigentlich mit dem Rad oder \u00d6ffis bew\u00e4ltigbar werden, aber bei denen ich ein motorisiertes Vehikel bevorzuge weil es kalt und dunkel ist, weil es regnet oder weil ich an dem Tag schon \u00fcber eine Stunde geradelt bin und gerade weder Lust auf Radeln noch auf volle und vergleichsweise unzuverl\u00e4ssige \u00d6ffis habe. Allerdings fahre ich nie mit dem Auto zu Sto\u00dfzeiten in die M\u00fcchner Innenstadt. Zur Arbeit radle ich immer, egal bei welchem Wetter, 10km einfach. Warum? Weil es deutlich schneller geht als das Auto, weil es stressfreier ist und weil die Parkplatzsituation bei meiner Arbeitsstelle im Zentrum sehr begrenzt und teuer w\u00e4re.<\/p>\n<p>Die Verknappung eines Guts (durch den Markt und die begrenzten Ressourcen) in geschickter Verbindung mit dem politischen Setzen von Anreizen (umweltsch\u00e4dliches Verhalten teurer und unattraktiver machen) funktioniert. Und genau da hat Dieter Nuhr etwas sehr fundamentales nicht verstanden, der sich auch \u00fcber &#8220;Umweltspuren [= Spuren exklusiv f\u00fcr Fahrgemeinschaften], durch die mehr Stau und damit mehr Abgase auf den anderen Spuren entstehen&#8221; beklagt: Nat\u00fcrlich es ist genau der richtige Anreiz, Leute zum Bilden von Fahrgemeinschaften zu motivieren. Und nat\u00fcrlich werden Leute auf \u00d6ffis oder auf&#8217;s Rad umsteigen, wenn der Verkehr auf dem t\u00e4glichen Pendelweg zu z\u00e4hfl\u00fcssig wird, oder wenn durch hohe Parkgeb\u00fchren und City-Maut das Auto dort unattraktiver wird, wo es wirklich nicht notwendig ist.<\/p>\n<p>Die politische Strategie, \u00fcber die richtigen Anreize, langsam aber sicher unsere St\u00e4dte umweltfreundlicher zu gestalten und die kostbare Ressource Platz (ein Auto nimmt mehr als zehnfachen Verkehrsraum eines Fahrrads ein) gerechter zu verteilen, ist so einfach wie faszinierend. Und sie wird besser funktionieren als pl\u00f6tzliche Verbote oder der moralische Appell an den Einzelnen. Der reine moralische Appell (&#8220;\u00c4ndert doch einfach euer Verhalten, anstatt euch zu beschweren!&#8221;) ist, zumindest von Seiten der Politik, eine Arbeitsverweigerung. Denn deren Aufgabe ist in meinen Augen eine gesellschaftlich gerechte und auf Nachhaltigkeit bedachte Regulierung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir leben im Jahr 2020. Das ist so ein Satz, der nicht nur einen sehr simplen Fakt enth\u00e4lt und vielleicht zu einem Art &#8220;Jahresr\u00fcckblick&#8221;-Post passt, sondern den man noch oft in diesem Jahr h\u00f6ren wird. 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