{"id":1005,"date":"2021-01-09T20:46:33","date_gmt":"2021-01-09T18:46:33","guid":{"rendered":"https:\/\/www.p-roocks.de\/wordpress2\/?p=1005"},"modified":"2021-01-09T20:46:33","modified_gmt":"2021-01-09T18:46:33","slug":"positives-denken-1-selbstkritische-betrachtungen-13","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.p-roocks.de\/wordpress2\/positives-denken-1-selbstkritische-betrachtungen-13\/","title":{"rendered":"Positives Denken 1 | Selbstkritische Betrachtungen 13"},"content":{"rendered":"<p>Dieser Beitrag soll eine Art (pers\u00f6nlicher) Jahresr\u00fcckblick sein. Ein R\u00fcckblick von einem Jahr, das f\u00fcr die allermeisten von uns wahrscheinlich \u00fcberdurchschnittlich viele Ver\u00e4nderungen brachte und uns mehr als bisher dazu zwang, zu reflektieren, was uns wirklich wichtig ist und wie sehr wir die Dinge und die Wesen um uns herum wertsch\u00e4tzen.<\/p>\n<p>Noch nie war ich so viel wandern wie dieses Jahr. 36 Tourtage z\u00e4hle ich f\u00fcr dieses Jahr in meinem Kalender. Viele Wanderungen fanden aufgrund der gegebenen Umst\u00e4nde nur zu zweit statt. Touren, die viel Zeit boten f\u00fcr intensive und tiefgehende Gespr\u00e4che w\u00e4hrend die Blicke \u00fcber das Alpenpanorama schweifen, oder nun \u00fcber die verschneiten Winterwunderl\u00e4nder. Dar\u00fcber hinaus viele k\u00fcrzere Flachlandwanderungen im urbanen Gebiet (aka Spazierg\u00e4nge) zu zweit. So sehr ich zeitweise den StuSti-Stammtisch oder gesellige Spieleabende in gr\u00f6\u00dferen Gruppen vermisst habe, diese one-on-one Treffen boten eine unverhoffte Gelegenheit, Freundschaften zu pflegen und zu vertiefen. Nebenbei lernt man zu sch\u00e4tzen, was die nahen Berge oder die st\u00e4dtischen Parks an sch\u00f6ner Natur, Weitl\u00e4ufigkeit und Ruhe zu bieten haben.<\/p>\n<p>Man lernt den Gewinn an Zeit zu sch\u00e4tzen. Wir Bildschirmarbeiter (und damit fast ausschlie\u00dflich im Home-Office Arbeitende) haben die vormalige Pendelzeit als zus\u00e4tzliche Zeit gewonnen. Ich konnte Ruhe gewinnen f\u00fcr Arbeiten, die der Konzentration bed\u00fcrfen, die man in einem recht vollen B\u00fcro so nicht hat. Aber nat\u00fcrlich haben wir auch etwas verloren, wie die Gespr\u00e4che mit den Kollegen an der Kaffeemaschine. Sehr viele sind sich einig, dass dauerhaftes Home-Office nicht der erstrebenswerte Zustand unserer Arbeitswelt sein sollte. Meiner Einsch\u00e4tzung nach genauso viele werden die neugewonnene Freiheit, sich seine Zeit und Arbeitsorte selbst einzuteilen, auch nach Ende der Pandemie nicht abgeben wollen. Die Wirtschaftswelt wird sich darauf einstellen m\u00fcssen und dar\u00fcber freuen d\u00fcrfen, um wie viel effizienter nun viele arbeiten. Etwas schade, dass es zu dieser Flexibilisierung (die ausnahmsweise den Arbeitnehmern und nicht den Arbeitgebern nutzt) einer Pandemie bedurfte.<\/p>\n<p>Wir sind wandlungsf\u00e4hig. H\u00e4tte man mir vor einem Jahr gesagt &#8220;es werden ein paar Monate kommen, in denen alle Tennispl\u00e4tze und Badmintonhallen&#8221; geschlossen haben, h\u00e4tte ich mir das wahrscheinlich als gro\u00dfes Ungl\u00fcck vorgestellt. Das war es auch, aber nur ungef\u00e4hr die ersten zwei Wochen. Danach beginnt man, Alternativen zu suchen. Sich zu arrangieren mit der Situation, wie sie ist und wie man sie nicht \u00e4ndern kann. Vor allem beginnt man festzustellen, wie gut man es eigentlich hat. Die Freizeitgestaltung als gr\u00f6\u00dftes Problem seines Lebenswandels? Das sind first world problems. Selbstkritisch erkenne ich, welche Privilegien ich habe. Distanzarbeit. Weit weg von Kundenkontakt. Noch weiter weg vom Patientenkontakt, dem all die \u00c4rztinnen und Krankenpfleger ausgesetzt sind. Besonders betroffen jene, die am Ende eines Arbeitstags auf einer Corona-Station in voller Schutzausr\u00fcstung einen Gummistiefel voller Schwei\u00df auskippen.<\/p>\n<p>Urlaube, als sie in dem an Restriktionen weitgehend freien Sommer dann m\u00f6glich waren, f\u00fchrten zumeist in der N\u00e4he. War das viele Fliegen in der Vergangenheit wirklich so notwendig? Nat\u00fcrlich m\u00f6chte ich viele meiner Eindr\u00fccke, die ich vor einigen Jahren in asiatischen L\u00e4ndern gesammelt habe, nicht missen. Allerdings stelle ich mir nach so einem (sehr sch\u00f6nen!) Sommer die Frage, ob denn wirklich jedes Jahr eine Fernreise sein muss. Die Seen oder der Eisbach in M\u00fcnchen, die Wandergebiete in den Alpen oder vielleicht auch n\u00e4chstes Jahr wieder Skandinavien: Hat die n\u00e4here Umgebung nicht auch sehr viel zu bieten? Nat\u00fcrlich, manche Regionen dieser Welt leben vom Tourismus. Aber das allein kann &#8211; bei angenommenem vergleichbaren Urlaubsvergn\u00fcgen &#8211; nicht der Grund sein, einen viel zu gro\u00dfen CO2-Fu\u00dfabdruck zu hinterlassen. Geld in Entwicklungsl\u00e4nder kann man auch durch <a href=\"https:\/\/www.effektiv-spenden.org\/\">effektive Spenden<\/a> flie\u00dfen lassen.<\/p>\n<p>Von Psychologen habe ich gelesen, dass Kinder ab und zu Langeweile empfinden <em>m\u00fcssen<\/em>, um aus diesem Zustand heraus neue Ideen und Kreativit\u00e4t zu entwickeln. Vielleicht zeigt der Lockdown, dass es Erwachsenen nicht viel anders geht. Wenn Back- oder N\u00e4hzutaten \u00fcberall ausverkauft sind, dann haben viele Leute offensichtlich einige Hobbys (wieder-)entdeckt. Ich habe mehr B\u00fccher gelesen, im Fr\u00fchjahr auch viel geschrieben, programmiere auch mal wieder ein wenig <a href=\"https:\/\/github.com\/patrickroocks\/listcompr\">an einem privaten Projekt<\/a>, habe die Standbohrmaschine mal wieder aus dem Keller geholt und mich am M\u00f6bel basteln versucht. Sicher h\u00e4tte ich das nicht alles davon gemacht, wenn mein Leben in dem \u00fcblichen <em>Takt<\/em>, frei von pandemiebedingten Einschr\u00e4nkungen, verlaufen w\u00e4re. Langeweile schafft Kreativit\u00e4t.<\/p>\n<p>Um noch eine selbstkritische Betrachtung anzuf\u00fcgen: Privilegiert bin ich nat\u00fcrlich auch in der Hinsicht, dass ich mit <a href=\"https:\/\/herbs-and-chocolate.de\/\">meiner Liebsten<\/a> zusammenwohne. Nat\u00fcrlich w\u00e4re Home-Office weit weniger angenehm als alleine Wohnender. Ich verstehe jeden, der trotz HO-M\u00f6glichkeit noch ins B\u00fcro geht, mangels sozialer Kontakte zu Hause. Insbesondere eine alleine verbrachte Mittagspause ist auf Dauer nat\u00fcrlich alles andere als reaktivierend. Hier bin ich als jemand, der regelm\u00e4\u00dfig auch noch so gut bekocht wird, so gesehen nat\u00fcrlich doppelt privilegiert.<\/p>\n<p>Global gesehen kann man sich nat\u00fcrlich fragen, ob wir als Bewohner des Westens alle privilegiert sind oder, im Vergleich zu L\u00e4ndern wie S\u00fcdkorea oder Taiwan, in pandemischen Zeiten nur in der zweitbesten der m\u00f6glichen Welten leben. Ich denke nicht, dass man das pauschal beantworten kann. Zu unterschiedlich sind die Gesellschaftssysteme, Denkweisen und insbesondere auch das Verst\u00e4ndnis von individuellem Gl\u00fcck. Aber wenn wir wo anderes &#8220;Besseres&#8221; in ganz egal welcher Hinsicht sehen, dann kann man das als Anlass nehmen, daraus zu lernen, uns weiterzuentwickeln, an Vorbildern zu orientieren und das zu tun, von dem wir glauben, dass es das Richtige ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieser Beitrag soll eine Art (pers\u00f6nlicher) Jahresr\u00fcckblick sein. Ein R\u00fcckblick von einem Jahr, das f\u00fcr die allermeisten von uns wahrscheinlich \u00fcberdurchschnittlich viele Ver\u00e4nderungen brachte und uns mehr als bisher dazu zwang, zu reflektieren, was uns wirklich wichtig ist und wie sehr wir die Dinge und die Wesen um uns herum wertsch\u00e4tzen. 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