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  • 01Dec
    2008
    11:30 pm

    Auch im schönen Lund entgeht es einem nicht, dass Weihnachten naht – beleuchtete Tannen erhellen diese zumeist vom Dunkel der Nacht umgebende Stadt, die aber auch tagsüber mit dem nahezu immer trüben Himmel sich nicht so wesentlich von der Nacht unterscheidet. Zumindest hatte ich bisher vor allem jene angenehme Seite der sich anbahnenden Adventszeit gesehen, die der vielen kleinen Lichter, die immerzu leuchten in einem Land, in dem Strom so billig ist, dass man gerne auch mal das Licht anlässt, wenn man das Zimmer verlässt, um sich bei der Rückkehr heimischer zu fühlen. Die Seite des bloßen Kommerzes, der Entartung von Insignien der Besinnlichkeit zum Profitstreben des Konsumgütergewerbes – rechtfertigbar in einer Zeit, in der wir keinen Strohalm an unserer Wirtschaft vorbeilassen wollen? – jene Seite ist mir bisher noch nicht in dieser Weise aufgefallen, wie das in heimischen Einkaufsmärkten der Fall war. Das mag auch daran liegen, dass das Konzept der Großmärkte hier wesentlich weniger verbreitet ist, und im Grunde genommen jeder Supermarkt so aussieht wie man einen Aldi bei uns kennt – klein, einfach und mit niedrigen Margen kalkulierend. Vermutlich kann man sich Supermärkte abseits von diesem Konzept ähnlich wenig vorstellen wie Einrichtung von einem anderen Hersteller als Ikea – was sich bewährt, wird gnadenlos vervielfältigt und die positiven Skaleneffekte ausgenutzt. Mit dem Kochen a´la “you always come in groups” haben wir genau dieses Konzept auch übernommen…

    Eigentlich wollte ich zum Konzept des Weihnachtsmarktes in Schweden hinaus, was sich kurz zusammenfassen ließe wie etwa: Die Konstante Kommerz ist eben doch nicht ganz kleinzukriegen. Genau das hätte man gar nicht so sehr erwartet, wenn man schon einen Eintritt von 3.50 € zahlen muss – neuerdings Geld ausgeben für´s Geld ausgeben? Man muss ganz ehrlich sagen, dass dieses mehr oder weniger Freilichtmuseum in weihnachtlicher Dekorationen durchaus eine Betrachtung Wert war, nebenbei hatte man damit auch den Eintritt für ein weiteres klassisches Museum auf dem Areal bezahlt. Doch dann Verkaufsstände, die ernsthaft 2.50 € für geschätzte 50g Mandeln verlangen? Ganze Regale die man mit “Kitsch” nur euphemistisch beschreiben kann? (Zu Kitsch gibt es übrigens in Milan Kunderas “Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins” eine sehr schöne Definition: “Daraus geht hervor, daß das ästhetische Ideal des kategorischen Einverständnisses mit dem Sein eine Welt ist, in der die Scheiße verneint wird und alle so tun, als existierte sie nicht. Dieses ästhetische Ideal heißt Kitsch.[…]) Aber gut, insgesamt muss man konstatieren, dass der Kommerz rund um Weihnachten hier immer noch wesentlich geringer ausfällt, als man es aus heimischen Gefilden gewohnt ist.

    Mit Plätzchenbacken, respektive -essen sind wir auch beim ganz nicht-kommerziellen Kulturimport tätig gewesen. Ein gelungenes Projekt, sogar unter dem Zeichen interkultureller Verständigung (auch ein Schwede war mit dabei), wäre da nur nicht die Frage nach der einzig wahren Form der “Vanillekipferl” gewesen – die irgendwo zwischen Halbmond und Hufeisen vermutet wurde. Jedenfalls ein Streitpunkt, der das Potential hatte (ausschöpfte) eine judäische Volksfront gegen die Volksfront von Judäa aufzustellen. Hauptsache, es geht dabei noch ein bisschen demokratisch zu.

    Posted by Patrick @ 11:30 pm

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