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  • 21Mar
    2021
    7:19 pm No Comments

    Auch im Jahr 2021, nach all den “Black Lives Matter”-Demonstrationen, in einer Zeit, in der der erste Schwarze Präsident Amerikas, Barack Obama, nun als Elder Statesman mehr geschätzt wird denn je (insbesondere im Vergleich zu seinem Amtsnachfolger) – der strukturelle Rassismus ist und bleibt ein Problem. Spätestens nach der Lektüre von “Alice Hasters: Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen aber wissen sollten” wird man unweigerlich zu dieser Erkenntnis gelangen (alle folgenden Zitate daraus).

    “Vor allem ist es wichtig, eines zu verstehen: Es gibt keine Menschenrassen. Es gibt allerdings die Erfindung der Menschenrassen — die Rassifizierung. Sie dient dazu, eine Hierarchie zwischen Menschengruppen zu etablieren.”

    Diese Erkenntnis mag in meiner linksliberalen Filterblase heutzutage nahezu banal klingen. Ich glaube, dass sie das über weite Teile der Gesellschaft nicht ist. Ich bin in einem Umfeld aufgewachsen, in dem ich niemanden einen aktiven Rassismus unterstellen möchte, aber in dem doch gewisse Klischees und fragwürdige Begrifflichkeiten nicht völlig verschwunden waren. Da wurden beispielsweise die unsäglichen Äußerungen einer Fürstin von Gloria von Thurn und Taxis zu übertragbaren Sexualkrankheiten in Afrika belustigt kommentiert “so etwas darf man eben nicht sagen”. Und genau deswegen ist so ein Buch so wichtig: Weil es nicht darum geht, was man “nicht sagen darf”, sondern, dass man ein Verständnis dafür entwickelt, welcher rassistische Unsinn immer noch in tradierten Klischees weiterlebt. Ist dieses Verständnis erst einmal gewonnen, wird man sich vielleicht weniger die Frage stellen, was man noch sagen darf, sondern was man eben einfach nicht mehr sagt, weil man selbst zu der Erkenntnis gelangt ist, dass es Unsinn ist.

    Verständnis für das Alltagserleben Schwarzer Menschen (ich übernehme hier die Großschreibung wie im zitierten Werk) bekommt man jedenfalls, wenn man sich die unzähligen Diskriminierungserfahrungen zu Gemüte führt, die sie beschreibt:

    “Wie damals, als ich dreizehn Jahre alt war und mit einer Freundin und ihrer Familie Urlaub auf Mallorca machte. An einem Tag gingen wir auf den Markt. Unter den Verkäufer*innen waren viele Deutsche. Wir machten Halt an einem Schmuckstand und inspizierten still die einzelnen Stücke, bis mich der deutsche Mann hinter dem Stand auf Englisch anbrüllte, ich solle abhauen. Er hielt mich für eine Diebin.
    […]
    Du hast einen richtig schönen N**erpopo«, sagte einmal mein Kommilitone Martin zu mir, als wir eine Choreografie in engen Leggins übten. Es sollte ein Kompliment sein. Ich fühlte mich, als ob mir jemand ins Gesicht geboxt hätte, und konnte ihn nur geschockt anschauen.”

    Ich denke, es ist schwer bis unmöglich sich als weißer heterosexueller Cis-Mann in solche unschönen Erfahrungswelten hineinzuversetzen. Vieles kann man im Leben verändern oder verstecken – die Sprache, die Religion, die Frisur. Die Hautfarbe (wie auch das Geschlecht) nicht. Und natürlich muss man sich fragen, welche wenig faszinierenden Strukturen am Werk sind, wenn der weiße (insbesondere weibliche) Körper in der Werbung mehr wert ist als der von Schwarzen:

    “Serena Williams hatte 2013 ein Einkommen von 20 Millionen Dollar. Ihre weiße Konkurrentin Marija Scharapowa, die im selben Jahr gegen Williams verlor, verdiente mehr Geld — 29 Millionen Dollar. Denn sie bekam mehr Werbedeals, mehr Sponsoring. Schmuck und Uhren verkaufen sich anscheinend besser an einer weißen blonden Tennisspielerin als an einer Schwarzen Frau von Weltklasse mit breitem Kreuz und großen Oberschenkeln.”

    Natürlich sollte man kritisch darüber nachdenken, welche rassistischen Stereotypen mit diesem Marktgeschehen in Verbindung verstehen. Abwegig wird es aus meiner Sicht allerdings, wenn die Fokussierung auf die Körperlichkeit im Leistungssport unter Generalverdacht gestellt wird:

    “Dass Menschen überhaupt etwas zu Serena Williams’ Körper sagen, wenn es doch eigentlich um Tennis geht, ist ein weiterer Fall von gegendertem Rassismus. Im Tennis spielt Körperform keine Rolle.”

    Hier stimme ich Alice Hasters einfach nicht mehr zu. Zur Vermarktung von Leistungssport gehört die Inszenierung ästhetischer Körper nun mal dazu – je nach Sportart mal mehr mal weniger. Man kann diesen Körperkult sehr kritisch sehen, ich sehe beispielsweise die gesamte Welt des Leistungssports extrem kritisch. Es ist eine Art der Unterhaltung, die viele Verlierer produziert, unter denen die es nicht bis an die Spitze geschafft haben, die Menschen von geistiger Betätigung abhält in den Jahren, in denen das Gehirn am lernfähigsten ist, und der Spitzensport hat (in absoluten Zahlen) ein noch größeres Problem an sexuellem Missbrauch hat als die Kirche. Aber das ist ein anderes Thema. Wer sich auf das Business des Leistungssport einlässt, der muss akzeptieren, dass Werbeeinnahmen wenig mit sportlichen Fähigkeiten, sondern vielmehr damit zu tun haben, wie man sich für ein breites Publikum vermarkten kann. In diesem Kontext spielt Körperform natürlich eine Rolle.

    Die Debatte über kulturelle Aneignung finde ich ebenfalls schwierig. Ich erkenne das Problem des “White Washings” durchaus an:

    “Kulturelle Aneignung hat jedoch nicht mit Hip-Hop angefangen und schon gar nicht mit den Kardashians. Der »King of Rock ’n’ Roll« heißt Elvis Presley, und Frank Sinatra wird bis heute als bester Jazzsänger aller Zeiten gefeiert, obwohl diese Musikrichtungen ohne Afroamerikaner*innen nicht entstanden wären. Schwarze Kultur durchläuft seit Jahrzehnten ein White Washing — Schwarze Akteur*innen werden durch weiße Menschen ersetzt, die es dann in den Mainstream schaffen, Geld verdienen und Einfluss auf die Gesellschaft haben.

    Das ändert aber erst mal nicht daran, dass Kultur dadurch entsteht, dass verschiedene Einflüsse stetig neu kombiniert werden. Dass künstlerische Ideen von Schwarzen Künstler:innen sich von von weißen Menschen besser vermarkten lassen, deutet natürlich auf strukturellen Rassismus hin, aber alleine die Adaption eines Musikstils kann man in meinen Augen weißen Menschen nicht als Rassismus vorwerfen. Vielleicht mag dies jemand als künstlerische Einfältigkeit sehen, beurteilen kann ich das nicht. Mit Hip-Hop, Rock ‘n’ Roll und Jazz kenne ich mich nicht aus.

    Schlussendlich finde es seltsam, dass selbst jemand wie Böhmermann von ihr abgeurteilt wird. Unabhängig davon, ob man ihn witzig oder nervig findet, ihm zu unterstellen, dass er “sich als weißer Typ über PoC lustig macht und deren Erfahrungen mit Polizeigewalt auf die Schippe nimmt” finde ich eine abwegige Interpretation seines “Ich hab’ Polizei“-Songs.

  • 14Feb
    2021
    8:05 pm Comments Off on Wenig faszinierende Strategien 25 | Faszinierende Metastrategien 19

    In seinem sehr empfehlenswerten Buch “Wie wir lieben. Vom Ende der Monogamie” beschreibt Friedemann Karig die Monogamie als “kulturell-evolutionäre Strategie”:

    “Die lebenslange Treue zu einem Menschen ist also einerseits eine kulturell-evolutionäre Strategie, wie man als sesshafte Spezies am besten das Land bestellen konnte. Und andererseits, auf gesellschaftlicher Ebene, ist Monogamie ein effektives politisches Steuerungsinstrument.”

    Man mag es als Reich der Spekulation abtun; aber viele Frühhistoriker haben Zweifel daran, dass die umherziehenden Jägerinnen und Sammler ihre Sexualität innerhalb monogamer Partnerschaften auslebten. Viel wahrscheinlicher ist eine vergleichsweise freie Liebe, wobei natürlich ranghöhere Mitglieder der Gruppe mehr Möglichkeiten zur sexuellen Entfaltung hatten als rangniedrigere (ähnlich wie bei unseren nächsten Verwandten, den Affen).

    Sehr wahrscheinlich ist, dass “klare Verhältnisse” zweier Zusammenlebender für das erfolgreiche Aufziehen des Nachwuchses hilfreich waren. Die neolithische Revolution war vor allem deshalb erfolgreich, weil sie zu mehr lebensfähigen Nachkömmlingen führte, aber nicht etwa weil sie das bessere Leben bot. Zu diesem Thema seien auch die Ausführungen von Yuval Noah Harari in “Die kurze Geschichte der Menschheit” sehr empfohlen. Heute spielt es für die physische Lebensfähigkeit des Nachwuchses im Grunde genommen keine Rolle mehr, ob ein Kind in einer großen WG oder einer klassischen Familie aufwächst.

    Warum hält sich diese, in meinen Augen wenig faszinierende, “kulturell-evolutionäre” Strategie so hartnäckig? Ich möchte behaupten: Weil sie Teil einer soziokulturellen Konstruktion ist, eines tradierten Wertekonzepts, welches uns von klein auf als ein Ideal angepriesen wird und vorgelebt wird. So sehr junge Leute heute früh ihre Erfahrungen mit Sexualität machen, Pornographie konsumieren, sich ausprobieren und ihre Orientierung oder auch ihr Geschlecht immer mal wieder in Frage stellen: es bleibt der Grundkonsens, dass auf eine “Ausprobier- und Auslebephase” dann ein “Settlement” folgen muss. Einen Partner finden, vermeintlich für immer, und wenn es doch nicht klappt, dann eben einen weiteren. Serielle Monogamie nennt man dieses Konzept.

    Vielleicht stellt die Alternative dazu die Lebensentwürfe und denen Grundkanon an Werten, wie sie uns geradezu eingebläut werden, zu sehr in Frage, als dass dies jemals eine breitere gesellschaftliche Akzeptanz finden konnte. Das Konzept nennt sich Polyamorie und meint, dass Gefühle der sexuellen Anziehung und der emotionalen Zuneigung keineswegs auf einen Menschen beschränkt sein müssen. Dass eine langfristigere Partnerschaft nicht bedeuten muss, dass die Auslebung der Sexualität für den Rest des Lebens auf eine einzelne Person eingeschränkt ist und im Laufe der Zeit meist weniger intensiv wird – man nennt das denn Coolidge-Effekt. Dass man Leute kennenlernen kann in der Option auf “was immer sich daraus ergibt”, einschließlich emotionaler Zuneigung oder gar romantischer Nebenpartnerschaften. Ein Konzept, um die Sexualität des Menschen wieder ein Stück weit dahin zu bringen, wie es sehr wahrscheinlich einmal war. Auch wenn ich mich mit dem Adjektiv “natürlich” im Kontext der menschlichen Entwicklung sehr schwer tue (ist es natürlich, dass ich mir an einem Sonntagabend diese Gedanken machen kann, statt das Feuer schüren und den Tiger verjagen zu müssen…?) finde ich den Vergleich mit der Sportausübung sehr treffend:

    “Gegen Bewegungsmangel haben wir den Sport erfunden. Was erfinden wir für natürlicheren Sex? Polyamorie? Offene Beziehungen? Kommunen gründen, in denen wir leben wie unsere Vorfahren in der Savanne?”
    Friedemann Karig: Wie wir lieben. Vom Ende der Monogamie

    Welches Konzept man dafür auch immer “erfindet” (im Grunde gibt es das alles schon, ist nur nicht besonders weit verbreitet): Darüber nachzudenken und ein Leben jenseits der Monogamie zu evaluieren ist eine faszinierende Metastrategie. Ich verwende das Präfix “Meta” weil das Ganze für eine Strategie zu bunt, zu vielschichtig und zu komplex ist. Ich mag Komplexität.

  • 09Jan
    2021
    8:46 pm Comments Off on Positives Denken 1 | Selbstkritische Betrachtungen 13

    Dieser Beitrag soll eine Art (persönlicher) Jahresrückblick sein. Ein Rückblick von einem Jahr, das für die allermeisten von uns wahrscheinlich überdurchschnittlich viele Veränderungen brachte und uns mehr als bisher dazu zwang, zu reflektieren, was uns wirklich wichtig ist und wie sehr wir die Dinge und die Wesen um uns herum wertschätzen.

    Noch nie war ich so viel wandern wie dieses Jahr. 36 Tourtage zähle ich für dieses Jahr in meinem Kalender. Viele Wanderungen fanden aufgrund der gegebenen Umstände nur zu zweit statt. Touren, die viel Zeit boten für intensive und tiefgehende Gespräche während die Blicke über das Alpenpanorama schweifen, oder nun über die verschneiten Winterwunderländer. Darüber hinaus viele kürzere Flachlandwanderungen im urbanen Gebiet (aka Spaziergänge) zu zweit. So sehr ich zeitweise den StuSti-Stammtisch oder gesellige Spieleabende in größeren Gruppen vermisst habe, diese one-on-one Treffen boten eine unverhoffte Gelegenheit, Freundschaften zu pflegen und zu vertiefen. Nebenbei lernt man zu schätzen, was die nahen Berge oder die städtischen Parks an schöner Natur, Weitläufigkeit und Ruhe zu bieten haben.

    Man lernt den Gewinn an Zeit zu schätzen. Wir Bildschirmarbeiter (und damit fast ausschließlich im Home-Office Arbeitende) haben die vormalige Pendelzeit als zusätzliche Zeit gewonnen. Ich konnte Ruhe gewinnen für Arbeiten, die der Konzentration bedürfen, die man in einem recht vollen Büro so nicht hat. Aber natürlich haben wir auch etwas verloren, wie die Gespräche mit den Kollegen an der Kaffeemaschine. Sehr viele sind sich einig, dass dauerhaftes Home-Office nicht der erstrebenswerte Zustand unserer Arbeitswelt sein sollte. Meiner Einschätzung nach genauso viele werden die neugewonnene Freiheit, sich seine Zeit und Arbeitsorte selbst einzuteilen, auch nach Ende der Pandemie nicht abgeben wollen. Die Wirtschaftswelt wird sich darauf einstellen müssen und darüber freuen dürfen, um wie viel effizienter nun viele arbeiten. Etwas schade, dass es zu dieser Flexibilisierung (die ausnahmsweise den Arbeitnehmern und nicht den Arbeitgebern nutzt) einer Pandemie bedurfte.

    Wir sind wandlungsfähig. Hätte man mir vor einem Jahr gesagt “es werden ein paar Monate kommen, in denen alle Tennisplätze und Badmintonhallen” geschlossen haben, hätte ich mir das wahrscheinlich als großes Unglück vorgestellt. Das war es auch, aber nur ungefähr die ersten zwei Wochen. Danach beginnt man, Alternativen zu suchen. Sich zu arrangieren mit der Situation, wie sie ist und wie man sie nicht ändern kann. Vor allem beginnt man festzustellen, wie gut man es eigentlich hat. Die Freizeitgestaltung als größtes Problem seines Lebenswandels? Das sind first world problems. Selbstkritisch erkenne ich, welche Privilegien ich habe. Distanzarbeit. Weit weg von Kundenkontakt. Noch weiter weg vom Patientenkontakt, dem all die Ärztinnen und Krankenpfleger ausgesetzt sind. Besonders betroffen jene, die am Ende eines Arbeitstags auf einer Corona-Station in voller Schutzausrüstung einen Gummistiefel voller Schweiß auskippen.

    Urlaube, als sie in dem an Restriktionen weitgehend freien Sommer dann möglich waren, führten zumeist in der Nähe. War das viele Fliegen in der Vergangenheit wirklich so notwendig? Natürlich möchte ich viele meiner Eindrücke, die ich vor einigen Jahren in asiatischen Ländern gesammelt habe, nicht missen. Allerdings stelle ich mir nach so einem (sehr schönen!) Sommer die Frage, ob denn wirklich jedes Jahr eine Fernreise sein muss. Die Seen oder der Eisbach in München, die Wandergebiete in den Alpen oder vielleicht auch nächstes Jahr wieder Skandinavien: Hat die nähere Umgebung nicht auch sehr viel zu bieten? Natürlich, manche Regionen dieser Welt leben vom Tourismus. Aber das allein kann – bei angenommenem vergleichbaren Urlaubsvergnügen – nicht der Grund sein, einen viel zu großen CO2-Fußabdruck zu hinterlassen. Geld in Entwicklungsländer kann man auch durch effektive Spenden fließen lassen.

    Von Psychologen habe ich gelesen, dass Kinder ab und zu Langeweile empfinden müssen, um aus diesem Zustand heraus neue Ideen und Kreativität zu entwickeln. Vielleicht zeigt der Lockdown, dass es Erwachsenen nicht viel anders geht. Wenn Back- oder Nähzutaten überall ausverkauft sind, dann haben viele Leute offensichtlich einige Hobbys (wieder-)entdeckt. Ich habe mehr Bücher gelesen, im Frühjahr auch viel geschrieben, programmiere auch mal wieder ein wenig an einem privaten Projekt, habe die Standbohrmaschine mal wieder aus dem Keller geholt und mich am Möbel basteln versucht. Sicher hätte ich das nicht alles davon gemacht, wenn mein Leben in dem üblichen Takt, frei von pandemiebedingten Einschränkungen, verlaufen wäre. Langeweile schafft Kreativität.

    Um noch eine selbstkritische Betrachtung anzufügen: Privilegiert bin ich natürlich auch in der Hinsicht, dass ich mit meiner Liebsten zusammenwohne. Natürlich wäre Home-Office weit weniger angenehm als alleine Wohnender. Ich verstehe jeden, der trotz HO-Möglichkeit noch ins Büro geht, mangels sozialer Kontakte zu Hause. Insbesondere eine alleine verbrachte Mittagspause ist auf Dauer natürlich alles andere als reaktivierend. Hier bin ich als jemand, der regelmäßig auch noch so gut bekocht wird, so gesehen natürlich doppelt privilegiert.

    Global gesehen kann man sich natürlich fragen, ob wir als Bewohner des Westens alle privilegiert sind oder, im Vergleich zu Ländern wie Südkorea oder Taiwan, in pandemischen Zeiten nur in der zweitbesten der möglichen Welten leben. Ich denke nicht, dass man das pauschal beantworten kann. Zu unterschiedlich sind die Gesellschaftssysteme, Denkweisen und insbesondere auch das Verständnis von individuellem Glück. Aber wenn wir wo anderes “Besseres” in ganz egal welcher Hinsicht sehen, dann kann man das als Anlass nehmen, daraus zu lernen, uns weiterzuentwickeln, an Vorbildern zu orientieren und das zu tun, von dem wir glauben, dass es das Richtige ist.