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Blogroll:

  • 25Dec
    2014
    9:27 pm 1 Comment

    Es ist der dritte Post mit dem Tag “Das Drama der Menschheit”, passend zum Ende eines Jahres, das viele Beobachter als weltpolitisches Krisenjahr sehen. Dieser Blog sollte nie vordergründig politisch werden; gleichzeitig sind Themen wie Freiheit und Unabhängigkeit – im Kleinen und im Großen – bestimmende Themen in meinem Leben. Wer Freiheit fordert, ist nie ganz unpolitisch, nicht nur der scheinbare Gegensatz zwischen Sicherheit vs. Freiheit im freiheitlichen Westen ist politisch. Auch im globalen Maßstab wird die Freiheit durch Diktatoren bedroht, was erst recht ein (welt-)politisches Thema ist.

    “Freedom is not for free” ist mir als prägnante Schlusszeile im Abspann eines Film im War Memorial Museum in Seoul, Südkorea, in Erinnerung geblieben. Mehr als 60 Jahre nach dem Koreakrieg schafft es Nordkorea, diese kuriose Nation mit Führern, die sich gerne Dinge angucken, plötzlich Sony Pictures so nachhaltig zu beeindrucken, dass eine Vorführung einer Nordkorea-Komödie verschoben wird.

    Mehr als 20 Jahre nach Ende des kalten Kriegs herrscht Krieg in Europa, alte Systemkonflikte flammen wieder auf. Man sollte meinen, die Menschen im Westen wüssten um den unglaublichen Luxus der westlichen Freiheit und täten gut daran, diese auch zu verteidigen. Tatsächlich ist es keine so kleine Minderheit, die plötzlich meint, dass “Russia Today” objektiver sei als die westlichen “Systemmedien”. Die eben diesen “Systemmedien” nicht traut, weil ihre Art des “Protests”, der denn parlamentarischen Diskurs offensichtlich ablehnt, darin völlig zurecht disqualifiziert wird. Jan Fleischhauer hat einige treffende Worte zu Pegida gefunden:

    “Wer Politiker als “Volksverräter” bezeichnet, von den im Bundestag vertreten Parteien nur als “Systemparteien” spricht und den Kampfbegriff der “Lügenpresse” wiederaufleben lässt, ist nicht gleich ein Nazi, aber er benutzt Nazi-Sprache. Man muss deshalb nicht in Panik geraten. Die Demokratie hält auch wöchentliche Versammlungen aus, in denen die Bundeskanzlerin des Landesverrats bezichtigt wird, aber niemand, der an so etwas teilnimmt, sollte erwarten, dass man ihn noch ernst nimmt.”

    Im unglaublichen Luxus unserer Freiheit und Demokratie können wir die Irrlichternden einfach nicht ernst nehmen, das ist ganz richtig. Den Menschen in Syrien, den Kriegsflüchtlingen, die unsere Solidarität verdienen, wird das wenig helfen.

    Faszinierend ist die Metastrategie, die Freiheit, die wir haben, zu verteidigen und dafür zu kämpfen. Das Drama der Menschheit ist es, dass wir immer wieder dafür kämpfen müssen.

  • 13Dec
    2014
    1:42 pm No Comments

    Die Nation, die unter Margaret Thatcher quasi den Neoliberalismus in Europa erfand entwickelt zunehmend ihre ganz eigene Interpretation von Liberalität: In der Wirtschaftspolitik hat sich der Staat weitgehend zurückgezogen und eine beispiellose Welle der Privatisierung ehemaliger Staatsunternehmen losgetreten. “Liberal reguliert” in einem sehr euphemistischen Sinne sind die Kompetenzen des Geheimdienstes, die auch vor der Verfolgung der Presse nicht halt machen, wie auch Amnesty im Rahmen des Vorgehens gegen den Guardian und den Partner eines Journalisten, anprangert. Die staatliche Aufsicht über Medien, Kommunikation und Kultur macht auch vor anderen Bereichen nicht halt, wo die britische Regierung glaubt zu wissen, was gut für ihre Bürger ist. Neben dem standardmäßigen Pornofilter bei UK-Internetanschlüssen wird jetzt die Produktion von Filmen mit “extremen Praktiken” (was auch immer das so genau sein soll) in UK verboten. In die Hände spielt das vermutlich einer amazonisierten Pornoindustrie, die viel Masse für den Massengeschmack produziert, wie vice berichtet:

    “While mainstream porn will be peddled without fear by the large studios – often owned by the same media moguls who denounce the ‘sexualisation’ of our culture – more niche, less clichéd sexual interests will disappear. It’s the corporate shopping chain crushing independent shops on the high street by piling it high and marketing it to the dumbest common denominator. In five years’ time we may only have one-size-fits-all porn, peddled by the porn equivalent of Primark.”
    aus vice.com: British BDSM Enthusiasts, Say Goodbye to Your Favourite Homegrown Porn

    Interessant zu wissen, wie ein Land einer Staatengemeinschaft, in der die Bedrohung der westlichen Freiheit durch den IS zum Konsens gehört, mit Freiheiten im eigenen Land umgeht. Kulturelle und künstlerische Zensur ist immer eine wenig faszinierende Strategie, vor allem eine wenig nachhaltige und zum Scheitern verurteilte Strategie, wie die Geschichte unzählige Male gezeigt, und auch die Proteste in diesem Fall zeigen werden. Dass es die Mächtigen immer wieder verursachen und auch Repräsentanten demokratischer Staaten gerne mal ihre eigenen Moralvorstellungen über die ideale freiheitlicher Gesellschaften stellen, gehört zum Drama der Menschheit.