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  • 01Nov
    2014
    11:51 am No Comments

    Als eine Replik auf die Positionen der “Tigermutter” Amy Chua sagt eine kanadische Pädagogin im Spiegel-Interview:

    “Die größten Erfinder, Entdecker und Künstler wurden von ihren Eltern nicht gefördert, gezogen, gezwungen. Die waren von ihrer Leidenschaft angetrieben.”
    Shimi Kang im Spiegel 42/2014 “Lasst sie spielen”

    Ich denke, das lässt sich auf alle Arten von Denkern und von Arbeitern übertragen: Instrinsische Motivation und nicht extrinsischer Druck führt uns zu guten Leistungen. Das man die Leidenschaft der Menschen als erste Maxime ihres Handelns begreifen und verstehen muss, sehe ich als faszinierende Metastrategie an.

    Wenig faszinierend ist dagegen eine Statistik, die sie wenige Fragen später in dem gleichen Interview zitiert:

    “Die Depression ist auf dem besten Weg, bis 2020 die zweithäufigste Krankheitsursache in den Industrieländern zu werden. Der Missbrauch von Medikamenten gehört schon jetzt zu den gravierendsten Gesundheitsproblemen, und Studenten sind dabei die am schnellsten wachsende Untergruppe. Es sterben mehr junge Menschen durch Selbstmord als durch Kriminalität und Krieg zusammen. Ich würde sagen: Wir haben ein Problem.”
    (gleiche Quelle wie oben)

    Man kann es natürlich als einen zivilisatorischen Erfolg sehen, dass junge Menschen heute nicht mehr so viel in den Krieg ziehen; das kein Lehrer wie im Film “Im Westen nichts Neues” seine ganze Schulklasse motiviert in den ersten Weltkrieg zu ziehen. Heute gehen die jungen Leute durch eine Schule des Pazifismus, die manchmal vielleicht auch mehr idealisierend als realistischerweise passend zu einem Jahr der Kriege wie 2014 ist. Aber das ist ein anderes Thema.

    Sicherlich kein zivilisatorischer Erfolg ist es, wenn Mobbing, Diskriminierung und Leistungsdruck junge Menschen in den Selbstmord treibt. Gleichzeitig kann es darauf keine einfachen Antworten geben. Wir stehen im Wettbewerb, auch mit uns selbst. Das ganze so zu gestalten, dass wir in einer Gesellschaft im Überfluss, in der Hochphase der Zivilisation, daraus auch Spaß und Leidenschaft schöpfen und uns nicht selbst bekriegen, weil wir mit den Rahmenbedingungen des Lebens nicht klar kommen, ist eine Aufgabe für die ganze Gesellschaft.