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Blogroll:

  • 29Jun
    2014
    2:28 pm No Comments

    Im Kulturkampf zwischen klassischen Verlagen und dem “Internet”, zumeist subjektiviert im allseits beliebten und immer konsensfähigen Feindbild Google, wurde eine kleine Schlacht von den Ignoranten des Wandels gewonnen: Das Leistungsschutzrecht wurde Gesetz. Doch das ist den Verlagen nicht genug.

    “Weil Google bereits deutlich gemacht hatte, keine Lizenzverträge abzuschließen, legten die zwölf in der VG Media organisierten Verlage zusätzlich Beschwerde beim Bundeskartellamt ein. Die Begründung: Google missbrauche seine marktbeherrschende Stellung, weil es sich weigere, Verträge über das LSR abzuschließen und Geld für die Anzeige von Snippets bei Google News zu bezahlen. Es sei missbräuchlich, dass Google jene Verlage, die hierauf bestehen, nicht mehr bei Google News anzeigen wolle.

    Lassen wir uns das ganze noch einmal auf der Zunge zergehen: Erst lassen sich die Presseverleger vom Gesetzgeber ein neues rechtliches Monopol schaffen, das Leistungsschutzrecht. Fortan soll bezahlt werden, was vorher (und überall sonst auf der Welt) im Rahmen eines Verhältnisses, das von Geben und Nehmen geprägt ist, umsonst genutzt werden konnte. Denn Suchmaschinen führen ihre Nutzer zu den Angeboten der Verleger, die dadurch höhere Werbeeinnahmen generieren können.”

    Aus: “Eine Farce nähert sich ihrem Höhepunkt” auf Zeit online

    Was sagt uns dass, wenn dieser Gastbeitrag selbst auf Zeit online veröffentlicht wird? Dass die Ansicht, dass das Vorhaben eines solchen verschärften Leistungsschutzrechtes geradezu absurd sein muss, eben dort vertreten wird? Muss Zeit online als Portal eines nicht-öffentlichen Verlags bei jedem Vorwurf der Parteinahme über jeden Zweifel erhaben sein?

    Man sollte nicht ganz vergessen, dass Google seine eigenen Auffassungen des Urheberrechts zu Tage treten ließ, als Google-Books einfach die Volltexte aller Bücher veröffentlichen wollte, wenn die Rechteinhaber nicht explizit widersprachen. Dass Konzerne mit zu großer Marktmacht immer eine Gefahr für den Wettbewerb und die Angebotsvielfalt sein können.

    Nichtsdestotrotz sehe ich es als wenig faszinierende Strategie an, den Wandel an dieser Stelle aufhalten zu wollen. Während Verlage es sich über Jahrzehnte gemütlich eingerichtet haben und in einem Duktus der Allmächtigkeit entscheiden konnte, was gedruckt wird, hat mit Google und den Blogs eine neue Epoche der Demokratisierung des Journalismus begonnen. Die Ignoranten des Wandels können jetzt laut wehklagen; sie könnten ihre Zeit aber auch sinnvoller damit verbringen, sich ein neues Geschäftsmodell zu überlegen. Andere haben schließlich auch neue Ideen.

  • 01Jun
    2014
    3:27 pm No Comments

    Viele große Katastrophen dieser Welt hängen damit zusammen, dass Wissenschaftler die Kompetenzen und den Anwendungsbereich ihrer Disziplinen systematisch überschätzen. Finanz- und Wirtschaftskrisen werden durch Ökonomen begünstigt, die immer noch den perfekten Markt und den rein rational handelnden Marktteilnehmer annehmen; die langfristige Klimaentwicklung und den Einfluss des Menschen darauf mit den derzeitigen Methoden der Klimatologie exakt vorherzusagen, ist die Hybris dieser Wissenschaften. Wie die mathematische Logik am sozialen Kontext scheitert, wird hier sehr schön beschrieben:

    “Die reine Mathematik und ihre extensionale Logik kalkulieren die persönliche Distanz mit ein – fordern sie sogar ein -, um außerhalb einer Beziehung, einer Regierungspolitik, eines biologischen Phänomens, einer ganzen Galaxie zu stehen. Mathematik ist befreiend; sie befreit und entwirrt. Im Gegensatz dazu tendiert die nicht-formale intensionale Logik – deren schwammige Regeln aus dem Leben selbst enstammen – dazu, uns mit anderen zusammenzubringen. Sie will uns dazu überreden, einander zu beeinflussen und uns beeinflussen zu lassen. Sie zielt darauf ab, dass wir sowohl persönliche Souveränität als auch einen gemeinsamen sozialen Kontext voraussetzen. Intensionale Logik bezieht mit ein; sie verstrickt uns und verschränkt uns miteinander.”
    John Allen Paulos in “Es war 1mal… Die verborgene mathematische Logik des Alltäglichen”

    Die Kompetenzüberschreitung der (reinen) Wissenschaften ist eine wenig faszinierende Strategie, das Erkennen der Grenzen der eigenen Kompetenz dagegen eine faszinierende Metastrategie.