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Blogroll:

  • 19Jan
    2014
    11:56 am No Comments

    Viel schmeichelhaftes hat Taleb in der ersten Hälfte von “Antifragilität” nicht über die Theoretiker zu sagen, die seiner Meinung nach vor allem die durch Trial&Error gewonnenen Erkenntnisse der Tüftler formalisieren, theoretisieren und schließlich als ihre Errungenschaften deklarieren. Eine etwas eindimensionale Sichtweise, die der Komplexität des heutigen Wissens und der Technik nicht so ganz Rechnung trägt, wie ich denke.

    Nun aber Trial&Error als eine durchaus sinnvolle Lernstrategie anzuwenden – gerne pathologisiert mit dem unheilvollen Akronym “ADHS” – sehe ich als faszinierende Metastrategie an:

    “Ich war sicher, das, was ich mir selbst aussuchte, tiefer und breiter lesen und verstehen zu können, da eine innere Verbindung zu meiner Neugier bestand. Außerdem profitierte ich, indem ich natürliche Stimulierung als Hauptantrieb des Lernens benutzte, von der psychischen Verfassung, die später als Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) pathologisiert wurde.
    […]
    Vermeidung von Langeweile ist der einzig angemessene Handlungsmodus. Andernfalls ist das Leben nicht lebenswert.”
    Nassim Nicholas Taleb in “Antifragilität”

    Ersetzen wir also bald “Selbstverwirklichung” auf der höchsten Stufe der maslowschen Bedürfnispyramide durch “Vermeidung von Langeweile”? Ich denke, hier darf man durchaus die Frage stellen, ob die höchsten Gipfel dieser Welt schon erklommen worden wären, hätten ihre Besteiger an den Durststrecken ihres Aufstiegs primär versucht, Langeweile zu vermeiden.

  • 05Jan
    2014
    6:45 pm No Comments

    “Information ist antifragil; sie wird nicht so sehr durch den Versuch stärker, sie zu befördern, als dadurch, ihr zu schaden. Viele vernichten ihren Ruf nur, indem sie versuchen ihn zu retten.”
    Nassim Nicolas Taleb in “Antifragilität”

    Man mag einwenden, dass genau das unter dem Streisand-Effekt schon hinlänglich bekannt ist. Hätte man dafür also den Neologismus der Antifragilität bemühen müssen? Tatsächlich treten verwandte Effekte, d.h. Systeme die auf Störungen nicht robust sondern selbstverstärkend reagieren, in allerlei Kontext auf, wie wir bei Taleb lernen können. Vielleicht hinreichend oft, dass sich dafür der neue Tag der antifragilen Konzepte lohnt, unter dem ich das ein oder andere von Taleb adaptieren werde; oder vielleicht würde er “plagiieren” sagen? Nun, auch die von ihm geschaffenen Ideen scheinen antifragile Informationen zu sein, die sich ganz von selbst verbreiten. Erbsenzählerei bei “fehlerhaften Zitaten” scheint mir ein eher fragilistisches Phänomen zu sein.

  • 02Jan
    2014
    8:04 pm No Comments

    Erfolgreiche Vertreter der Wirtschaft werden wahrscheinlich immer mit einem halb lächelnden, halb mitleidigen Auge auf die Theoretiker in den akademischen Gefilden blicken. Auch Dobelli zeigt sich in seinem – sehr lesenwerten – Werk “Die Kunst des klugen Handelns” nicht als Freund der Theoretiker:

    “Wer hat den automatischen Webstuhl erfunden, die Dampfmaschine, das Automobil, die Glühbirne? Kein Theoretiker und kein offizielles Forschungslabor. Es waren allesamt Tüftler. Wir überschätzen die Intellektuellen, die Akademiker, die Theoretiker, die Schriftsteller, Autoren und Kolumnisten – und unterschätzen die Praktiker und die Macher. Ideen, Produkte und Fähigkeiten kommen vorwiegend durch Probieren und Abschauen zustande, weniger durch Nachlesen und Nachdenken. Nicht durch das Studium von Schwimmbüchern haben wir schwimmen gelernt. Nicht dank den Ökonomen haben wir eine Wirtschaft. Nicht die Lehrstühle für Politikwissenschaften halten unsere Demokratie aufrecht. Ich habe Sympathien für Terence Kealeys Ansicht: Nicht Universitäten führen zu einer prosperierenden Gesellschaft, sondern prosperierende Gesellschaften unterhalten Universitäten, weil sie es sich leisten können. Insofern gleichen Universitäten den Opernhäusern.”
    Rolf Dobelli in “Die Kunst des klugen Handelns

    Was bleibt den Theoretikern an Legitimation, fragt man sie nach ihrem Beitrag für die Gesellschaft – von der sie immerhin in aller Regel finanziert werden? Ein übergeordneter Wert der Theorie, ich nenne es gerne die “intellektuelle Ästhetik” die eine elegante, formale Formulierung mit sich bringt. So löst man keine Probleme, so schafft man eher neue Probleme einer gewissen artifiziellen Art, und doch: Auch die Opernhäuser kultivieren ihre Art der Ästhetik, die einem Großteil der Allgmeinheit nicht – oder nur zu einem sehr oberflächlichen Teil – zugänglich ist. Also lasst uns Theoretiker unsere Wissenschaft kultivieren, weil unsere Gesellschaft so weit ist und so sehr prosperiert, dass sie sich genau das leisten kann.

    Sehr vereinfacht ausgedrückt: Warum beschäftigten sich die Theoretiker der Moderner mit derart praxisferner und enigmatisch notierter Theorie? Weil es geht.