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Blogroll:

  • 05Nov
    2016
    12:02 pm No Comments

    “Ich bin Individualist. Als ich jung war, war es nicht leicht in Japan als Individualist zu leben. Wer nicht Teil des Systems war, galt damals nur wenig. Heute ist die japanische Gesellschaft weniger streng organisiert, aber als ich jung war, war das noch anders. Das hat mich geprägt. Ich gehörte zu keiner Firma und auch nicht zu irgendeiner Gruppe, meine Frau und ich, wir haben ganz für uns gelebt. Ich habe kämpfen müssen, um auf diese Art zu überleben. Aber ist die einzige Art, wie ich leben kann. Vermutlich sind meine Figuren auch deshalb, wie sie sind.”
    Haruki Murakami, im Interview mit dem Spiegel, 41/2016

    Als Individualist zu leben, frei und unabhängig zu sein, ist eine faszinierende Strategie. Ganz besonders faszinierend empfinde ich dies bei Menschen, die in einem Kontext leben, wo eine Anpassung an umgebende Gruppen vorgesehen ist und Loyalität offen erwartet wird. Es gibt nur eine relativ kleine Gruppe an Menschen, die einen solchen Kampf wirklich aufnehmen. Ein Kampf, in dem es nicht Materielles und auch keine tatsächliche Macht zu gewinnen, sondern sich eher eine abstrakte und (meist) theoretische Freiheit erreichen lässt. Ich denke das ist gut so. Die Menschheit hätte es nicht geschafft, Städte, Firmen oder Staaten zu gründen, ohne das eine Mehrheit ihrer Vertreter eine gewisse angeborene Loyalität zu umgebenen Gruppen vorweist.

  • 31Jul
    2016
    6:58 pm No Comments

    “Gibt es irgendein anderes Land [außer den USA] auf der Welt, wo jemand in einem hochkarätigen Meeting sagen kann: »Steuerbefreiung für die Reichen! Das löst unsere Probleme!« Und alle anderen am Tisch murmeln: »Hm, könnte funktionieren.« In jedem anderen Land würden die Leute sagen: Seid ihr wahnsinnig geworden? Aber in Amerika wird das Geld angebetet! Alle glauben, dass das Geld der Reichen nach unten durchsickert – dass der steigende Wasserpegel alle Boote mit in die Höhe trägt und dass man nur die Reichen noch reicher machen muss, dann werden sie schon neue Jobs schaffen …

    Und? Tun die Reichen das?

    Nein! Ich habe kürzlich ein Interview mit einem amerikanischen Milliardär gelesen. Der sagte: »In den letzten zehn Jahren habe ich mir drei Autos gekauft. Damit die Sache mit dem trickle-down effect funktioniert, hätte ich im selben Zeitraum 10 000 Autos kaufen müssen.« (langes, leises Lachen) Wer braucht 10 000 Autos! Also nein, sie geben das Geld nicht der Gesellschaft zurück, sie horten es!”

    (Martin Amis in einem Interview in der Zeit, 31/2016)

    Das der Trickle-Down-Effekt einfach nicht funktioniert, ist eine wenig faszinierende Erkenntnis. Für die finanzielle Elite dieser Welt ist es eine faszinierende Strategie, den Entscheidungsträgern in den westlichen Industrienationen das Märchen des Trickle-Down-Effekts als wirtschaftspolitische Plausibilität verkaufen zu können.

  • 08May
    2016
    11:14 am No Comments

    Die Erkenntnis, dass die zunehmende Ungleichheit in der Verteilung des Vermögens den Frieden und Stabilität unserer Welt gefährdet, ist wenig faszinierend. Es mag die ein oder anderen Profiteure geben, von einfachen Sicherheitsdienstleistern bis hin zu internationalen Anwaltskanzleien, aber es ist kaum übersehbar wie dieses Auseinanderdriften der Vermögen die Gesellschaft entsolidarisiert und die Entscheidungsträger für ein Handeln im Sinne des Gemeinwohls demotiviert. Der anonyme Whistleblower der Panama Papers schreibt in seinem Manifest:

    “Wer das meiste Geld hat, findet immer einen hilfsbereiten Anwalt für seine Zwecke, sei es die Kanzlei Mossack Fonseca oder eine andere, von der wir noch nichts wissen. […]

    Historiker wissen, dass Besteuerung und ungleiche Machtverhältnisse in der Vergangenheit bereits Revolutionen ausgelöst haben. Damals war militärische Macht notwendig, um die Menschen zu unterdrücken, während es heute genauso effektiv oder noch effektiver ist, die Menschen vom Zugang zu Informationen abzuschneiden – auch weil das im Verborgenen geschieht. Aber wir leben in einer Zeit günstiger, grenzenloser Datenspeicher und schneller Internetverbindungen, die nationale Grenzen überschreiten. Es sieht also sehr danach aus, dass die nächste Revolution digital sein wird.

    Vielleicht hat sie aber auch schon begonnen.”
    aus: Süddeutsche Zeitung – Panama Papers – das Manifest von John Doe

    Vielleicht ist Whistleblowing eine faszinierende Metastrategie für eine weniger ungleiche Gesellschaft.

  • 26Dec
    2015
    1:46 pm No Comments

    Nachrichten, die sich gut verkaufen lassen, sind vor allem schlechte Nachrichten. 2014 war schon das Jahr der Kriege, was ist dann 2015? Jahr der Kriege, des Terrorismus und der Flüchtlinge, die davon davon laufen? Was kommt 2016? Ein neuer Weltkrieg?

    Von wegen! Sowohl die aktuelle ZEIT als auch der aktuelle Print-Spiegel haben einige sehr schöne Erkenntnisse darüber gesammelt, wie sie Welt zum Besseren wandelt. Höhere Lebenserwartung, weniger Armut, weniger Kindersterblichkeit, mehr Zugang zu Trinkwasser, etc. Auch die Zahl der Getöteten in allen militärischen Konflikten und terroristischen Anschlägen nimmt von Jahr zu Jahr ab. Der letzte Krieg zwischen nennenswerten Mächten war die US-Invasion im Irak 2003 – die vielen kleineren Bürgerkriege in der Zeit danach an vielen Stellen der Welt mögen schrecklich sein, aber weit weniger dramatisch, als es große Kriege früher waren.

    Früher war es das Wettrüsten im kalten Krieg, das einen Atomkrieg verhindert hat – heute ist es die Globalisierung, die Kriege unwirtschaftlich für Beteiligten (abgesehen von Terrororganisation) macht, die den Flüchtenden das Überwinden der ehemaligen Grenzen ermöglicht und die Ideale des Humanismus nicht mehr an Ländergrenzen aufhalten wird. Die nationalistischen Bestrebungen in Europa sind natürlich ein gewisser Gegenpol. Junge Leute, die man für eine Revolution bräuchte, sind jedoch nicht zu großen Zahlen darunter. Dagegen werden sich die jungen Kosmopoliten beim Verbreiten ihrer Ideen kaum von den neu gezogenen Grenzen nennenswert aufhalten lassen.

    Alles wird besser. Auch wenn das für eine Nachricht schrecklich langweilig klingt.

  • 18Oct
    2015
    12:26 pm No Comments

    Zuletzt über den Mailverteiler für wissenschaftliches Personal an meiner Uni erhalten:

    “Die Ermäßigung der Lehrverpflichtung nach §7 Abs. 4 LUFV kann gewährt werden für:
    a) Leistungen in der Lehre: […]
    b) Leistungen in der Forschung:
    – Erste erfolgreiche Einwerbung von Projekten mit Drittmittelstellen und Peer-Review-Verfahren;
    – Vorbereitung weiterer Anträge nach erfolgreicher früherer Einwerbung von Projekten mit Drittmittelstellen und Peer-Review-Verfahren.”

    Es mag vielleicht eine Leistung für die Forschung sein, Drittmittel einzuwerben. Zumindest angesichts der Tatsache, dass die Wissenschaftsfinanzierung an deutschen Unis ohne Drittmittel überhaupt nicht mehr funktionieren würde. Aber eine Leistung in der Forschung? Ist damit die Erforschung der Überwindung bürokratischer Hürden gemeint? Oder dieses “Schiffe versenken”-ähnliche Spiel, bei dem es darum geht, mit möglichst viel Buzzwords um sich zu werfen, um die favorisierten Buzzwords des Gutachters auch zu treffen?

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