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Blogroll:

  • 07Jul
    2016
    2:20 pm No Comments

    Von faszinierenden Ideen war schon lange nicht mehr die Rede in diesem Blog, zuletzt hier und hier vor über 5 Jahren. In seinem Artikel Mental Models I Find Repeatedly Useful listet der Autor (Gabriel Weinberg) eine Reihe von “mental models” auf, die es leichter machen, die Welt zu verstehen. Ich würde diese Zusammenstellung vielleicht eher als Liste faszinierender Konzepte und Ideen begreifen. Sein Gedankensystem derart zu systematisieren finde ich jedenfalls eine faszinierende Metastrategie. Viele der (psychologisch begründbaren) Denkfallen kommen einem bekannt vor, wenn bspws. Kahnemann (Thinking fast, thinking slow) oder Taleb (Antifragilität; der schwarze Schwan) gelesen hat. Ein paar andere Konzepte und Modelle sind einem sicherlich in den verschiedensten wissenschaftlichen Disziplinen, wie Mathematik, Informatik, Physik oder Wirtschaftswissenschaften schon einmal begegnet. Über die Erklärung der einzelnen Modelle, Ideen oder Konzepte könnte man natürlich noch trefflich diskutieren. Über Pareto-Optimalität schreibt Weinberg:

    Pareto Efficiency  — “A state of allocation of resources in which it is impossible to make any one individual better off without making at least one individual worse off…A Pareto improvement is defined to be a change to a different allocation that makes at least one individual better off without making any other individual worse off, given a certain initial allocation of goods among a set of individuals.”

    Vielleicht könnte man das noch in Verbindung zu dem Problem der Trade-Offs bringen: Da sehr viele verschiedene Größen, die die Güte von Zuständen unseres Daseins sehr stark antikorrelliert sind, bewegen wir uns bei der Auswahl zwischen verschiedenen Optionen sehr oft innerhalb von Pareto-Optima. Die Antwort auf die Frage “Ist es besser, sich für [Produkt]/[Studium]/[potentiellen Partner] A oder B zu entscheiden?” wird ganz oft lauten: Diese Optionen sind Pareto-unvergleichbar. In unterschiedlichen Dimensionen ist jeweils eine andere Option besser. Eine Gewichtung dieser Optionen ist nicht sinnvoll und wäre willkürlich.

    Kann aber gut sein, dass ich da einem Cognitive Bias unterliege, der in der zitierten Zusammenstellung höher gewichtet ist als die Pareto-Optimalität…

  • 25Jun
    2016
    4:57 pm No Comments

    Der Rückbau der europäischen Einigung ist für mich die am wenigsten faszinierende Strategie, seit ich die Politik in Europa verfolge. Cui bono?

    Ich glaube nicht daran, dass das skurrile Bündnis der ganz Linken, der ganz Rechten, der hoffnungslos Abgehängten und der Frustrierten, welche pauschal gegen “die da oben” gestimmt haben, in irgendeiner Weise von diesem Votum profitiert. Staaten, die sich abschotten und die wirtschaftlich zunehmend abgehängt werden, werden ganz bestimmt nicht gerechter und demokratischer werden. Aber was soll man darüber philosophieren, wenn die normative Kraft des Faktischen nun den europäischen Zerfallsprozess in Gang gesetzt hat?

    Politik besteht aus dem Widerstreit der gegensätzlichen Meinungen. Lassen wir einen der europäischen Intellektuellen zu Wort kommen, der sich ganz bestimmt über den Ausgang des Referendums gefreut haben dürfte:

    Houellebecq: Man müsste mehr direkte Demokratie wagen. […] Ein Volk, das weiß, dass es selbst entscheidet und nicht nur befragt wird, reagiert mit gesteigerter Verantwortlichkeit statt mit wütendem Protest […]
    Spiegel: Und wenn am Ende doch ein Nein zu Europa herauskommt?
    Houellebecq: Dann muss man sich damit abfinden.
    Spiegel 26/20016, Interview mit Michel Houellebecq

    Na schön, ein Volk dass sich mit Verantwortlichkeit aus dem Bund der Staaten zurückzieht, der einst gegründet wurde, um den Frieden in Europa zu sichern? Vielleicht sollte man sich dann auch gleich mit dem nächsten Krieg in Europa anfreunden?

    Houellebecq: Ein ethnischer oder ein religiöser Bürgerkrieg werden in Europa eine Möglichkeit bleiben. Übereinstimmende Indizien weisen darauf hin, dass es dazu kommen könnte. […] Ich wohne am Rande von Paris und spaziere gern bis zur Überführung an der Ringautobahn. Bis zur Auffahrt habe ich es nicht weit. Bricht der Bürgerkrieg aus, bin ich mit dem Auto schnell weg, so wie im Roman. Krieg und Fußball schaut man sich besser im Fernsehen an.

    Und der Krieg im Rest der Welt und diejenigen, die davor fliehen und nun bei uns Schutz suchen?

    Houellebecq: Ich glaube, Frankreich tut gut daran sich zu sperren. Wir nehmen nicht mehr Flüchtlinge aus, als wir können. […] Ich empfinde keine Verpflichtung, das Elend in der Welt zu lindern. Es heißt immer, die Ursachen der Flüchtlingskrise müssten in den Heimatländern bekämpft werden. Ich meine, zuallererst müssen die Menschen selbst die Ursachen bei sich daheim bekämpfen, zum Beispiel die Korruption und die Vetternwirtschaft.

    Nehmen wir den Fall an, dass eine wachsende Zahl an Europäern keine Verantwortung für den Rest der Welt mehr übernehmen will und die Regierungsverantwortung “dem Volk”, also den geschicktesten Demagogen, zurückgeben will. Nehmen wir an, dass in Amerika das gleiche passiert und jemand wie Trump Präsident wird. Dann ist das eine Meinung des befragten Volkes, die man als Demokrat respektieren muss, aber die zu einer einschneidenden Veränderung des Westens führen wird.

    Spätestens dann wird es Zeit für neue Bündnisse. Das Bündnis der Europa-Befürworter, die für die hohe Zustimmung in London gesorgt haben, ist ebenso wie die Gegner ein wenig skurril: Etablierte Vertreter des Großkapitals wie junge Kosmopoliten sind für Europa. Intellekt und Vermögen, und dann vielleicht noch der Wille, in Frieden miteinander zu leben, weil man so die besseren Geschäfte treiben kann und von seinem Intellekt mehr hat. Welche Form von Demokratie dann für diesen Neuanfang geeignet ist, wird man noch sehen müssen.

  • 08May
    2016
    11:14 am No Comments

    Die Erkenntnis, dass die zunehmende Ungleichheit in der Verteilung des Vermögens den Frieden und Stabilität unserer Welt gefährdet, ist wenig faszinierend. Es mag die ein oder anderen Profiteure geben, von einfachen Sicherheitsdienstleistern bis hin zu internationalen Anwaltskanzleien, aber es ist kaum übersehbar wie dieses Auseinanderdriften der Vermögen die Gesellschaft entsolidarisiert und die Entscheidungsträger für ein Handeln im Sinne des Gemeinwohls demotiviert. Der anonyme Whistleblower der Panama Papers schreibt in seinem Manifest:

    “Wer das meiste Geld hat, findet immer einen hilfsbereiten Anwalt für seine Zwecke, sei es die Kanzlei Mossack Fonseca oder eine andere, von der wir noch nichts wissen. […]

    Historiker wissen, dass Besteuerung und ungleiche Machtverhältnisse in der Vergangenheit bereits Revolutionen ausgelöst haben. Damals war militärische Macht notwendig, um die Menschen zu unterdrücken, während es heute genauso effektiv oder noch effektiver ist, die Menschen vom Zugang zu Informationen abzuschneiden – auch weil das im Verborgenen geschieht. Aber wir leben in einer Zeit günstiger, grenzenloser Datenspeicher und schneller Internetverbindungen, die nationale Grenzen überschreiten. Es sieht also sehr danach aus, dass die nächste Revolution digital sein wird.

    Vielleicht hat sie aber auch schon begonnen.”
    aus: Süddeutsche Zeitung – Panama Papers – das Manifest von John Doe

    Vielleicht ist Whistleblowing eine faszinierende Metastrategie für eine weniger ungleiche Gesellschaft.

  • 21Apr
    2016
    9:58 am No Comments

    Es wenig faszinierend, wie man durch das Verkaufen wissenschaftlicher Artikel Geld verdienen kann, zu deren Entstehung man nichts beigetragen hat. Verlage machen das seit Jahrzehnten; und wenngleich sie in den Zeiten vor dem Internet eine legitime Rolle gespielt haben mögen, um Wissen zu verbreiten, ist deren ehemalige Kernaufgabe der Produktion gedruckter Schriften im Bereich der Wissenschaft vollkommen obsolet geworden. Stattdessen werden hochgeladene PDFs, die von der Allgemeinheit finanzierte Wissenschaftler erstellt haben, in der Größenordnung von $30 verkauft – von denen alles die Verlage bekommen. Wer zahlt diese Preise? Die Allgemeinheit, die Universitäten, die Abos mit den elektronischen Datenbanken dieser Verlage haben. Zumindest noch, den langsam wird es selbst Harvard zu teuer:

    There are many businessmen who own knowledge today. Consider Elsevier, the largest scholarly publisher, whose 37% profit margin stands in sharp contrast to the rising fees, expanding student loan debt and poverty-level wages for adjunct faculty. Elsevier owns some of the largest databases of academic material, which are licensed at prices so scandalously high that even Harvard, the richest university of the global north, has complained that it cannot afford them any longer. Robert Darnton, the past director of Harvard Library, says “We faculty do the research, write the papers, referee papers by other researchers, serve on editorial boards, all of it for free … and then we buy back the results of our labour at outrageous prices.”
    aus: In solidarity with Library Genesis and Sci-Hub

    Wäre es die richtige Antwort, die Verlage bereits beim Einreichen der Paper zu boykottieren und nur noch bei arxiv.org zu veröffentlichen? In den Zeiten der quantitativen Beurteilung von Wissenschaften ist das für die allermeisten keine Alternative. Impact factors von Journalen, Ratings der Konferenzen – wer das Plansoll zu erfüllen hat, ist auf bestimmte Konferenzen und Journale in seinem Fachgebiet angewiesen, die meistens fest mit einem Verlag verbunden sind.

    Vielleicht ist es die einfachere Antwort, die selbst produzierte pdf-Fassung seiner Arbeiten einfach bei ResearchGate hochzuladen. Wenn man dann die über die Uni oder über Sci-Hub bezogene vom Verlag veröffentlichte Version daneben hält, sieht man auch, welche grandiose Arbeit der Verlag gemacht hat: Seitenzahlen eingefügt und an der ein oder anderen Stelle das Layout auf eher zweifelhafte Weise verändert. Aber schön, das Elsevier durch die Klage gegen Sci-Hub das Portal nur noch bekannter macht, wie Spektrum.de kommentiert:

    Seit nun letzte Woche die Website Bigthink.com ausführlich über das Verfahren gegen Sci-Hub vor einem US-Bundesbezirksgerichts in New York berichtet hat, verbreitet sich die Nachricht vom “Pirate Bay für die Wissenschaft” in den sozialen Netzwerken rasant. Eine bessere Werbemaßnahme als das Gerichtsverfahren hätte sich Sci-Hub kaum wünschen können.
    aus: Spektrum.de: Open Access – Millionen Fachartikel illegal im Netz verfügbar

  • 06Feb
    2016
    4:45 pm No Comments

    Es ist wenig faszinierend mitanzusehen, wie einst politische Randgruppen nun in die Mitte der Gesellschaft drängen. Ich könnte es nicht besser ausdrücken, als es das Resümee der Titelgeschichte (“Die Hassprediger”, gemeint ist die Partei AfD) des aktuellen Spiegels auf den Punkt bringt:

    “Flüchtlinge werden weiter kommen, Kulturen und Religionen mischen sich, deutsche Familien sehen anders aus als vor 40 oder 50 Jahren, das Liebesleben ist mannigfaltig und eigensinnig – die deutsche Wirklichkeit wird komplizierter, und warum auch nicht? Die meisten Menschen kommen gut damit zurecht, unser Leben heute ist freier, sicherer, gesünder und in den meisten west- und ostdeutschen Städten schöner als noch vor 30 Jahren.
    Aber jene, die all das abstößt, kämpfen mit dem Mut der Verzweiflung. Und es wäre nicht das erste Mal, dass in Europa der Fortschritt der Freiheit durch radikale Minderheiten zu einem jahrelangen Umweg gezwungen worden wäre.”
    Spiegel 6/2016, “Der Aufstieg der AfD wird zur Gefahr für die politische Kultur”

    Ich hatte nie vor, dass dieser Blog politisch werden sollte. Gleichzeitig ist “Freiheit” ein ganz entscheidendes Thema für mich. Lange sah es so aus, als wäre unsere freiheitliche Gesellschaft eine unumkehrbare Errungenschaft und unser Diskurs darüber eher akademischer Natur. Als mir “Freedom is not for free” bei der Betrachtung der “Wutbürger” auf der Straße einfiel, da war mir noch nicht so klar, dass diese “Bewegung” um einen politischen Arm ergänzt wird, der ernsthaft vor hat ein Werk der Zerstörung an unserer freiheitlichen Gesellschaft zu vollbringen. Jetzt zeichnet sich langsam ab, dass eine großteils irrationale Angst vor dem Neuen und Unbekannten einige durchaus denkende Leute dazu bringt, die Errungenschaften der freiheitlichen Gesellschaft leichtfertig auf’s Spiel zu setzen.

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